Jetzt mal Butter bei die Fische

Habt ihr euch schon einmal gefragt, was „Butter bei die Fische machen“ bedeutet? Oder woher das Sprichwort „den Löffel abgeben“ kommt? Für den heutigen Blogpost an diesem sonnigen Sonntag habe ich ein wenig recherchiert, damit ihr beim nächsten Abendessen mit eurem Sprichwort-Wissen punkten könnt.

In den vergangenen Jahrtausenden hat sich die Bedeutung von Kochen und Essen wesentlich gewandelt: Ist es früher rein darum gegangen, zu überleben, sind sie heute auch soziale Tätigkeiten. Apropos sozial, natürlich kam und kommt es dabei immer noch darauf an, in welcher finanziellen und sozialen Situation man sich befindet. Während sich die Reichen immer fettiges, reichhaltiges Essen leisten konnten und es mit ausschweifenden Gelagen auf die Spitze trieben, freuten sich ärmere Menschen, wenn sie ihre Familie eine weitere Woche ernähren konnten. Alle diese Umstände haben Spuren in der Sprache hinterlassen.

„Mit X ist nicht gut Kirschen essen.“

Ein Bund reifer Kirschen ein einem Ast zwischen Blättern des Baumes.
Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=258513

Kirschen kamen bereits im 1. Jahrhundert vor Christus aus Kleinasien nach Europa. Der vermögende römische Feldherr Lucius Lucullus, der als Feinschmecker und für seine Festgelage berühmt wurde, brachte sie nach Europa. Noch im Mittelalter war die Kirsche eine wertvolle Frucht, die sich nur wohlhabende Menschen leisten konnten. Sie trafen sich immer wieder zum Kirschen essen, doch wer in ihrem Kreis nicht erwünscht war, wurde mit Kirschkernen bespuckt und so davon gejagt. Mit der Person war nicht gut Kirschen essen.

„den Löffel abgeben“

Holzlöffel
Holzlöffel | http://foto.wuestenigel.com/holzloffel/

Unter den Bauern und ärmeren Leuten haben im Mittelalter und der frühen Neuzeit gemeinsam aus einer großen Schüssel Brei gelöffelt. Dabei hatte jeder einen eigenen, oft selbst aus Holz geschnitzten Löffel. Das Ablegen oder Abgeben des sonst höchstpersönlichen Gegenstandes bedeutet das Ende der Nahrungsaufnahme. Und weil Tote keinen Brei mehr essen, sagt man heute noch, dass jemand den Löffel abgibt, wenn jemand stirbt.

„Butter bei die Fische machen“

Titelbild Butter
© Sarah Stiedl

Gerade in Norddeutschland wird gebratener oder gebackener Fisch am Schluss mit Butter verfeinert – etwas, das sich früher nur vermögende Leute leisten konnten. Sobald ein Stück Butter auf dem Fisch ist, wird mit dem Essen begonnen, beziehungsweise zur Sache gekommen. Wenn man heute sagt „Jetzt mach mal Butter bei die Fische!“, ist das eine Aufforderung, zum Punkt zu kommen, etwas anzupacken oder Klartext zu reden.

„den Braten riechen“

Bratwürste
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Roster_mit_Qualm.jpg | © Thomas Kees

Wenn jemand weiß, dass etwas faul ist, riecht er den Braten. Hier gibt es zwei mögliche Ursprünge: Wer eine feine Nase hat, wird schon von Geruch des Bratens sagen können, ob das Fleisch faul ist, oder nicht. Andererseits gibt es Fabeln, in denen der Bauer ein Tier zum Essen einlädt. Der Gast macht aber am Absatz kehrt, weil er den Braten riecht und realisiert, dass ein Artgenosse auf den Tisch kommt und dem Bauern dadurch nicht traut.

„seinen Senf dazu geben“

Silberner Teelöffel mit gelbem Senf darauf, vor weißer Fläche.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1c/Senf-3.jpg | © Rainer Zenz

Im 17. Jahrhundert war Senf sehr wertvoll. Eine Mahlzeit, zu der Senf gereicht wurde, machte daher den Anschein, etwas Besonderes zu sein. Die Wirte wandten also einen psychologischen Trick an: Zu jeder bestellten Speise wurde etwas Senf serviert und prompt wirkte das Gericht wertvoller. Schon mal Germknödel mit Senf probiert? Eben, passt ja gar nicht und macht den Germknödel nicht besser. Genauso wie also ungefragt Senf zum Essen serviert wurde, selbst wenn er nicht passte, sagen manchmal Menschen ungefragt ihre Meinung.

„hingehen, wo der Pfeffer wächst“

Aquarell von Pfefferpflanze
“Breyter indianischer Pfeffer” aus Leonhart Fuchs’ “New Kreüterbuch” von 1543.

Pfeffer ist für uns heute ein grundlegendes Haushaltsgewürz. Ursprünglich kommt er aus Indien und noch heute sind die größten Pfefferanbauländer Vietnam, Indonesien, Brasilien und Malaysia. Wenn man jemanden dorthin schickt, wo der Pfeffer wächst, schickt man die Person weit weg von sich.
Eine andere Erklärung ist, dass man die Person nach Cayenne wünscht, eine Stadt in Französisch-Guayana, nach der die Chili-Sorte Cayenne-Pfeffer benannt wurde. Napoleon verfügte 1852, dass Straftäter, die für mehr als sieben Jahre verurteilt wurden, auf Französisch-Guayana interniert werden sollten. Cayenne war damals das Zentrum der französischen Straflager, in denen die Verurteilten schwere Arbeit verrichteten. Erst 1946 wurde die letzte Strafkolonie geschlossen.

Natürlich ist es nach vielen Jahrhunderten meist nicht eindeutig nachvollziehbar, wie sich bestimmte Redensarten entwickelt haben. Zweifellos hat aber Essen eine zentrale Rolle im menschlichen Zusammenleben eingenommen.

Welche mit Essen verbundenen Sprichwörter fallen euch noch ein? Und wisst ihr, woher sie kommen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Einen gemütlichen Sonntag euch allen!

Euer Roger

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